Zugunsten der Seenotrettung 

Pianist spielt in Sankt Augustin 16-Stunden-Konzert

Thomas Heinemann, General-Anzeiger, 24.11.2021


Sankt Augustin. Der Pianist Daniel Höhr spielt Eric Satie „Vexations“ 840-mal in Folge. Für ihn soll es eine Grenzerfahrung sein und gleichzeitig eine Benefizveranstaltung für die Seenotrettung im Mittelmeer. 

 

Wenn Daniel Höhr am 11. Dezember morgens um 6 Uhr am Flügel im Paul-Gerhard-Haus in die Tasten greift, wird das für ihn „eine musikalische Grenzerfahrung“. Für den guten Zweck spielt der Sankt Augustiner Pianist die „Vexations“, übersetzt: die „Quälereien“, des französischen Komponisten Eric Satie. Und das 840 Mal hintereinander. „Das ist eine Anweisung des Komponisten“, erklärt Daniel Höhr. „Und bis heute ist nicht klar, ob Satie sich damit einen musikalischen Scherz erlaubt hat.“

Denn Satie, sagt Höhr, habe viele kuriose Sachen betrieben und das in den 1890er Jahren entstandene Werk mit einer Bemerkung versehen: „Um dieses Motiv 840 Mal zu spielen, wird es gut sein, sich darauf vorzubereiten, und zwar in größter Stille, mit ernster Regungslosigkeit.“ Genau das wird Höhr tun, sich vorbereiten und auch einen Tisch mit Speisen und Getränken neben den Flügel stellen. Denn die Vexations verlangen Durchhaltevermögen: „Ich gehe davon aus, das Stück in etwa 16 Stunden spielen zu können. Satie hat Tempoanweisungen gegeben. Je nach Interpretation können daraus auch schnell 24 Stunden werden.“

Igor Levit hat es auch getan

Vorgemacht hat das der Starpianist Igor Levit im Mai 2020. Mit den Vexations hatte Levit auf die in der Pandemie notleidenden freischaffenden Künstler aufmerksam gemacht und nach jedem Durchlauf eines der 840 Notenblätter zur Seite geworfen. Bei der anschließenden Versteigerung der 840 handsignierten Notenblätter kamen innerhalb von nur zwölf Stunden 84.000 Euro für den Verein FREO Freie Ensembles und Orchester in Deutschland sowie den Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung zusammen. „Eine tolle Aktion“, sagt Höhr. „Leider hatte ich kein Blatt mehr ergattern können und damals im Scherz gesagt, dann mache ich das halt selber.“

Und wie das mit Scherzen so ist, so kam eins zum anderen. Pfarrer David Bongartz von der Evangelischen Kirchengemeinde Niederpleis und Mülldorf war von der Idee begeistert und stellte das Paul-Gerhard-Haus gern zur Verfügung. Denn Höhr spielt die 840 „Quälereien“ ebenfalls für den guten Zweck und zugunsten des Bündnisses „United4Rescue – Gemeinsam Retten“. Darin haben sich 800 Hilfsorganisationen, Vereine, Institutionen und Sozialverbände für die zivile Seenotrettung zusammengeschlossen, erklärt der Pianist: „Es war mein Wunsch, irgendetwas im Rahmen meiner Möglichkeiten zu tun, damit der Seenotrettung geholfen wird. Wir hören fast jeden Tag die schrecklichen Nachrichten von der Rettung der Menschen auf dem Mittelmeer und den Schiffen, die verzweifelt einen Hafen suchen.“


Sein Wunsch ist, für jeden der 840 Durchläufe eine Spende in Höhe von fünf Euro einzuwerben. Und das, obwohl sich „die Musik noch nicht einmal schön anhört“, sagt Höhr mit einem Augenzwinkern: „Das Stück ist nicht tonal, sondern eher meditativ und fast hypnotisch. Daher sind die Leute eingeladen, zwischen 6 und 22 Uhr vorbeizukommen, mir zuzuhören, vielleicht auch eine Kerze anzuzünden, zur Ruhe zu kommen, zu Meditieren oder zu Beten.“ Vor dem 840. Durchlauf sei zudem eine Schlussandacht oder ein kurzes Abendgebet geplant. 

Quälerei am Piano

Augustiner Pianist spielt ein Stück von Satie - 840 Mal 

Thomas Heinemann, General-Anzeiger, 24.11.2021


Sankt Augustin. Der Pianist Daniel Höhr spielt Eric Satie „Vexations“ 840-mal in Folge. Für ihn soll es eine Grenzerfahrung sein und gleichzeitig eine Benefizveranstaltung für die Seenotrettung im Mittelmeer. 

 

Wenn Daniel Höhr am 11. Dezember morgens um 6 Uhr am Flügel im Paul-Gerhard-Haus in die Tasten greift, wird das für ihn „eine musikalische Grenzerfahrung“. Für den guten Zweck spielt der Sankt Augustiner Pianist die „Vexations“, übersetzt: die „Quälereien“, des französischen Komponisten Eric Satie. Und das 840 Mal hintereinander. „Das ist eine Anweisung des Komponisten“, erklärt Daniel Höhr. „Und bis heute ist nicht klar, ob Satie sich damit einen musikalischen Scherz erlaubt hat.“

Denn Satie, sagt Höhr, habe viele kuriose Sachen betrieben und das in den 1890er Jahren entstandene Werk mit einer Bemerkung versehen: „Um dieses Motiv 840 Mal zu spielen, wird es gut sein, sich darauf vorzubereiten, und zwar in größter Stille, mit ernster Regungslosigkeit.“ Genau das wird Höhr tun, sich vorbereiten und auch einen Tisch mit Speisen und Getränken neben den Flügel stellen. Denn die Vexations verlangen Durchhaltevermögen: „Ich gehe davon aus, das Stück in etwa 16 Stunden spielen zu können. Satie hat Tempoanweisungen gegeben. Je nach Interpretation können daraus auch schnell 24 Stunden werden.“

Igor Levit hat es auch getan

Vorgemacht hat das der Starpianist Igor Levit im Mai 2020. Mit den Vexations hatte Levit auf die in der Pandemie notleidenden freischaffenden Künstler aufmerksam gemacht und nach jedem Durchlauf eines der 840 Notenblätter zur Seite geworfen. Bei der anschließenden Versteigerung der 840 handsignierten Notenblätter kamen innerhalb von nur zwölf Stunden 84.000 Euro für den Verein FREO Freie Ensembles und Orchester in Deutschland sowie den Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung zusammen. „Eine tolle Aktion“, sagt Höhr. „Leider hatte ich kein Blatt mehr ergattern können und damals im Scherz gesagt, dann mache ich das halt selber.“

Und wie das mit Scherzen so ist, so kam eins zum anderen. Pfarrer David Bongartz von der Evangelischen Kirchengemeinde Niederpleis und Mülldorf war von der Idee begeistert und stellte das Paul-Gerhard-Haus gern zur Verfügung. Denn Höhr spielt die 840 „Quälereien“ ebenfalls für den guten Zweck und zugunsten des Bündnisses „United4Rescue – Gemeinsam Retten“. Darin haben sich 800 Hilfsorganisationen, Vereine, Institutionen und Sozialverbände für die zivile Seenotrettung zusammengeschlossen, erklärt der Pianist: „Es war mein Wunsch, irgendetwas im Rahmen meiner Möglichkeiten zu tun, damit der Seenotrettung geholfen wird. Wir hören fast jeden Tag die schrecklichen Nachrichten von der Rettung der Menschen auf dem Mittelmeer und den Schiffen, die verzweifelt einen Hafen suchen.“


Sein Wunsch ist, für jeden der 840 Durchläufe eine Spende in Höhe von fünf Euro einzuwerben. Und das, obwohl sich „die Musik noch nicht einmal schön anhört“, sagt Höhr mit einem Augenzwinkern: „Das Stück ist nicht tonal, sondern eher meditativ und fast hypnotisch. Daher sind die Leute eingeladen, zwischen 6 und 22 Uhr vorbeizukommen, mir zuzuhören, vielleicht auch eine Kerze anzuzünden, zur Ruhe zu kommen, zu Meditieren oder zu Beten.“ Vor dem 840. Durchlauf sei zudem eine Schlussandacht oder ein kurzes Abendgebet geplant. 

Einfühlsamer Erzähler am Flügel 

Der Troisdorfer Pianist Daniel Höhr hat Schumanns "Kinderszenen" eingespielt

Annette Schroeder, Rhein-Sieg-Anzeiger, 25.09.2021


Sankt Augustin. "Kleine putzige Dinger" nannte Robert Schumann eine Reihe von Charakterstücken, die er 1839 komponierte. Von ihnen wählte er 13 für seinen Zyklus "Kinderszenen" aus, der heute zu den beliebtesten der Klavierliteratur zählt. Davon zeugen zahlreiche Einspielungen - von Horowitz über Argerich bis Brendel. Und nun veröffentlicht Daniel Höhr eine weitere Einspielung, ergänzt und bereichert durch Intermezzi von Johannes Brahms (op. 117 und op. 118, 2) .

Überzeugendes Debut
Es ist das erste Studioalbum, das der Pianist aus Sankt Augustin vorlegt - ein ausgefeiltes, überzeugendes Debut. "Songs of Innocence & Experience" hat Höhr sein Album nach einem Gedichtband von William Blake genannt. Der studierte Anglist verdient sein Geld als Sprachlehrer und Übersetzer: "Die Musik ist nicht mein Beruf, aber meine Berufung", sagt der gebürtige Troisdorfer, der sein Publikum in den Konzerten nicht nur mit dem klassischen Standardrepertoire, sondern gern auch mit Entdeckungen wie dem Zyklus "Das Jahr" von Fanny Hensel bekannt macht.

"Die romantische Auffassung von Kindheit war das Ideal der Unschuld, und das Erwachsenenalter war in gewisser Weise ein Abfall davon", reflektiert Höhr, der sich als einfühlsamer Erzähler am Flügel beweist. In einem suggestiven Bogen lässt er die prägnanten Szenen vorbeiziehen, die von einem aufregenden Tag mit Träumerei, Hasche-Mann, Ritter vom Steckenpferd und Fürchtenmachen handeln, bis das Kind einschläft und "Der Dichter spricht": das Resümee des erwachsenen Schumann, der sich an seine Kindheit erinnert.

Bei Höhr in guten Händen sind auch die herbstlichen Farben und der elegische Ton der Brahms-Intermezzi, nicht nur für Clara Schumann ein Quell von "Poesie, Leidenschaft, Schwärmerei, Innigkeit."

Ein Glanzpunkt ist außerdem Schumanns balladeskes, dramatisches Fantasiestück "In der Nacht": "Eines meiner Lieblingsstücke", so bekennt der Interpret, und dieses Herzensanliegen teilt sich mit. Viel Sorgfalt hat der 48-Jährige auch auf die technische Seite des Albums verwendet. Eingespielt hat er es an einem Steinway D in den Bonner Hansahaus-Studios. Toningenieur und künstlerischer Betreuer war der dreifache Grammy-Gewinner Klaus genuit, der für einen natürlichen, warmen Raumklang sorgte.

Daniel Höhr hat für die Aufnahme das Label "serioso" gegründet und für die Liner Notes mit Peter Davidson einen seiner früheren Dozenten in Oxford gewonnen.

Daniel Höhr aus Sankt Augustin  Passion für 88 Tasten und eine Pianistin

Annette Schroeder, Rhein-Sieg-Anzeiger, 28.11.2014


Sankt Augustin - Daniel Höhr setzt sich an den Flügel im Wohnzimmer, spielt ein paar Takte. Mit einer langsamen Bassfigur und Oktavgriffen beginnt „Das Jahr“ von Fanny Hensel. „Eine faszinierende und sehr farbenreiche Musik, technisch sehr anspruchsvoll“, wie der Pianist sagt, der den Klavierzyklus für sich und seine Zuhörer entdeckt hat. „Letztes Jahr im Sommerurlaub las ich Peter Härtlings Buch ,Liebste Fenchel’. Diese Biografie hat mich gepackt“, so der Musiker aus Sankt Augustin.


 „Liebste Fenchel“: So nannte Felix Mendelssohn seine Schwester Fanny. Eine brillante Pianistin und talentierte Komponistin, und doch stand sie im Schatten ihres berühmten Bruders. „Ihr Wirken reichte kaum über den Familien- und Freundeskreis hinaus; sie wurde von ihrem Vater auf die Rolle als Ehefrau und Mutter festgelegt“, sagt Höhr. Erst in den letzten zwei Lebensjahren vor ihrem Tod 1847 fand sie den Mut, einige Stücke drucken zu lassen, darunter den „September“ aus dem Jahreszyklus. „Nach der Lektüre von Härtlings Biografie über Fanny Hensel habe ich mir sofort die Noten ihres wichtigsten Klavierwerks bestellt“, erzählt Höhr. Mitte November hat er diese Folge von zwölf romantischen Charakterstücken plus Nachspiel in der Aula des Steyler Missionspriesterseminars aufgeführt; nach dem Italienischen Konzert von Bach und einer Mozart-Sonate. „Ich habe noch nie eine solche Begeisterung erlebt“, erzählt Höhr, der sich wünscht, „dass dieses Werk Eingang ins Repertoire der großen Pianisten finden würde.“ 

Zu denen nämlich zählt sich Höhr nicht, auch wenn er virtuos spielt: Der 41-Jährige verdient sein Geld als Sprachlehrer für Englisch und Latein sowie als Übersetzer. Das Klavierspiel ist eine Passion, die seine gesamte Freizeit ausfüllt. „Zeit für ein Privatleben bleibt da nicht mehr.“ Dabei waren die Weichen für eine klassische Konzertkarriere gestellt: Höhr begann als Achtjähriger mit dem Unterricht, gewann Preise bei „Jugend musiziert“. Doch an einer Musikhochschule hat er nicht studiert. „Zum einen ist es sehr schwierig, in eine Soloklasse zu kommen. Zum anderen wurde mir schnell klar, dass ich den Großteil meines Berufslebens als Klavierlehrer bestreiten würde. Die Konkurrenz ist einfach sehr hart.“ Wobei der gebürtige Troisdorfer einräumt, „dass Unterrichten von motivierten Schülern auch Freude machen kann. Es ist allerdings oft frustrierend: Wenn Kinder von ihren Eltern geschickt werden, selbst aber kaum Interesse haben. Viele sind ja ohnehin mit Freizeit-Aktivitäten überfrachtet.“

Höhr selbst hat Anglistik und Theologie in Bonn und im englischen Warwick studiert. Als Keyboarder und Bassist spielte er nebenbei in diversen Rockbands. „Irgendwann aber hatte ich die Nase voll vom Lärm der Rockmusik“, erzählt der einstige Deep Purple-Fan. „2006 habe ich beschlossen: Ich fange wieder an zu üben, und 2007 gebe ich einen Soloabend. Es wurden dann doch zwei Jahre daraus, aber seitdem gebe ich bis zu sieben Konzerte jährlich“ – vorwiegend auf den kleineren Bühnen in der Region wie in der Synagoge in Ahrweiler, dem Bonner Klavierhaus Klavins oder in der Aula des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums in Bonn. Dort präsentiert Höhr am Donnerstag, 18. Dezember, „Das Jahr“ als musikalisch-literarischen Abend mit der Schauspielerin Julia Seitz (Beginn: 19 Uhr), die auch Vignetten von Fanny Hensels Ehemann Wilhelm und die dazugehörigen Gedichte vorstellt. „Es ist ein Zyklus, der sehr anstrengend zum Üben und Spielen ist. Die Musik dauert immerhin eine knappe Stunde.“

Drei bis sechs Stunden sitzt Höhr je nach Freizeit täglich über den 88 Tasten. „Musikmachen ist nicht mein Beruf, aber meine Berufung.“ Weitergebildet hat er sich bei diversen Dozenten, so bei Gotthard Kladetzky, der einst selbst Schüler beim legendären Claudio Arrau war. Vom Status als Freizeitmusiker abgesehen, was unterscheidet Höhr von den berühmten Kollegen? „Ich spiele nicht auswendig“, so der Pianist, der freilich darauf verweist, dass auch ein Star wie Swjatoslaw Richter in seinen letzten Auftritten nach Noten spielte.

„Und ich komme an technische Grenzen: Die späten Beethoven-Sonaten werde ich nicht mehr schaffen. Eine Utopie bleiben auch Bachs Goldberg-Variationen. Aber wichtig ist: Ich habe musikalisch etwas auszudrücken. Meine Stärken liegen im empfindsamem Spiel und im romantischen Repertoire.“ So glänzte er bereits mit Brahms-Balladen, gab 2012 ein reines Liszt-Programm. „Und seitdem moderiere ich auch die Konzerte, weil ich merke, dass das Publikum dafür sehr aufgeschlossen ist.“

Zu Franz Liszt, dessen Porträt im Wohnzimmer hängt, hat Höhr eine spezielle Verbindung: „Ich habe sein Bayreuther Haus besichtigt, in dem er gestorben ist, und dort durfte ich an seinem Ibach-Flügel sitzen und ein Stück spielen. Ich habe die 2. Ungarische Rhapsodie gewählt. Es ist mir kalt den Rücken hinuntergelaufen – eine unglaubliche Erfahrung.“ An Liszt bewundert er dessen Einsatz für junge Talente und für die neue Musik. Als Geburtshelfer für frisch Komponiertes hat sich auch Höhr schon betätigt. So wirkte er in Uraufführungen von Werken des Kölners Markus Grünter mit.

Geld verdient Höhr mit seinen Konzerten nicht. „Ich bin froh, wenn ich einen Abend ohne finanziellen Verlust stemmen kann.“ Der Gewinn liegt woanders; etwa in der Begeisterung, die der Pianist ausstrahlt und die ansteckend wirkt. „Die Konzerte in den kleinen Sälen finden oft auf Tuchfühlung statt. Oft kommen die Leute danach auf mich zu.“ Wie etwa ein Zuhörer, der erklärte, für „Das Jahr“ würde er gern den „ganzen Chopin in die Tonne hauen.“ Das muss nicht sein, meint Daniel Höhr, „aber Fanny Hensel hat einfach verdammt gute Musik komponiert.“

Besonderer Jahresrückblick am CvO

19.12.14, roettgen-online.com

Ückesdorf. Einen besonderen Jahresrückblick gab es gestern Abend am Carl-von Ossietzky-Gymnasium. Pianist Daniel Höhr und Schauspielerin Julia Seitz (Schülerin am CvO) begeisterten das Publikum mit Fanny Hensels (1805-1847) Klavierzyklus "Das Jahr", in dem die Komponistin in zwölf Charakterstücken die Monate des Jahres vertont. Das Einpersonenstück ließ die Zuschauer in einfühlsamer Weise teilhaben an der Gefühls- und Gedankenwelt der Fanny Hensel am letzten Tag des Jahres 1841.

Schon zu seiner Zeit war "Das Jahr" ein "multimediales" Werk, bei dem Musik, Kunst und Dichtung zu einer Einheit verschmolzen. Den Kompositionen sind kurze, von Fanny Hensel und ihrem Mann Wilhelm Hensel verfasste Gedichte vorangestellt. Die Titelblätter der jeweiligen Monatskompositionen schmückte Wilhelm Hensel mit liebevoll gestalteten Vignetten und Zeichnungen aus. Um dieses umfassende Gesamtkunstwerk, das in typischer Weise dem Geist der Romantik entspricht, als Einpersonenstück auf die Bühne zu bringen, verfassten der Pianist Daniel Höhr und Markus Grünter, Musiklehrer am CvO, frei nach Tagebucheinträgen von Fanny Hensel eine Rahmenhandlung. Dabei spielte Julia Seitz (16 Jahre) die Rolle der Fanny Hensel. Im Wechsel mit Daniel Höhr, der den musikalischen Part am Flügel übernahm, trug Julia Seitz die Erinnerungen der Komponistin aus dem Jahre 1841 sowie die kurzen lyrischen Texte zu den einzelnen Monaten vor. Auf einer großen Leinwand waren überdies die von Wilhelm Hensel ausgestalteten Titelblätter zu sehen.

In den technisch und musikalisch sehr anspruchsvollen Stücken stellte Höhr, der vor Jahren bereits am Klavierabend zur Einweihung des nach einem Brand restaurierten Flügels in der Aula des CvO spielte und auch bei den "Carmina Burana"-Konzerten mitwirkte, seine Virtuosität einmal mehr unter Beweis. Sein Spiel nahm die Zuhörer mit durch den Wechsel der Monate mit ihren unterschiedlichen Stimmungen und feinen Nuancen. Höhr selbst ist froh dieses, wie er sagt, große Stück romantischer Klavierkunst erneut spielen zu dürfen. "Fanny Hensel war eine großartige Komponistin, die ihrem berühmten Bruder Felix Mendelssohn in keinster Weise nachstand. Ihr Pech war es, dass sie eine Frau war und ihr daher eine Veröffentlichung ihrer Werke nicht gestattet war", sagt er und möchte mit seinen Konzerten dazu beitragen, dass Fanny Hensel als Komponistin etabliert wird.

Aber nicht nur für den Pianisten ist Hensel Faszination und Herausforderung zugleich, auch Julia Seitz musste sich in die Epoche der Romantik einfühlen. Keine leichte Aufgabe für eine 16-jährige Schülerin unserer Zeit. Zu Hilfe kamen ihr da Erfahrungen aus zahlreichen Theateraufführungen während ihrer Schulzeit berichtet sie. "Schwierig ist es die Zeit, in der Daniel Höhr auf dem Flügel spielt zu überbrücken, Währenddessen muss ich den Gedanken der Fanny Hensel nachgehen und darf nur sehr bedacht agieren, um nicht zu viel Unruhe im Stück aufkommen zu lassen. Das war neu für mich", ergänzt sie. Dennoch hatte Markus Grünter bei der Besetzung der Rolle den "richtigen Riecher". "Für mich war Julia vom äußeren Typus her der Inbegriff der Romantik", kommentiert er seine Wahl. Obwohl sich Julia in den Proben als modere Frau entpuppte, die sich zunächst nur schwer mit den Lebensgewohnheiten der damaligen Zeit identifizieren konnte, überzeugte sie als Fanny Hensel absolut. Die überzeugende Darstellung der Komponistin wurde nicht zuletzt durch das von Lehrerin Ingrid Dotzauer aus Bildvorlagen nachempfundene und selbst geschneiderte Kleid unterstützt.

So erlebten die Zuschauer kurz vor Jahresende eine rundum gelungene Aufführung sowie einen einfühlsamen und künstlerisch vielseitigen Jahresrückblick. 

Piano-Konzert Der alte Mann und die Mädchen

Iris Zumbusch, Kölner-Stadt-Anzeiger, 11.09.2011


Ruppichteroth - Die Schülerinnen des Sankt-Theresia-Gymnasiums hatten vor dem Benefizkonzert von Daniel Höhr eine etwas andere Vorstellung davon, wie ein Pianist aussieht. Die Rektorin des Mädchengymnasiums, Schwester Maria Michaela, begrüßte zum Auftakt des Klavierabends die Besucher mit einer humorvollen Anekdote. So habe seit geraumer Zeit ein Plakat mit einem Porträt von Franz Liszt, das den Komponisten in recht hohem Alter zeigte, in der Schule für das Konzert geworben.


Grund genug für einige Schülerinnen zu der Annahme, Pianisten sähen immer so betagt aus. Umso erstaunter fiel dann die Reaktion aus, als Daniel Höhr in die Schule kam, um sich für das Konzert einzuspielen. „Der sieht ja viel jünger aus, als der Liszt auf dem Plakat“, so die Bemerkung einer fassungslosen Schülerin.


Die Zuhörer lachten und die vergnügliche Stimmung erwies sich als gute Grundlage für das Konzert, das Höhr ausschließlich dem Komponisten Franz Liszt widmete. MitInformationen zum Leben und Wirken gab Höhr einen wissenswerten Einblick in das Schaffen des Komponisten. „Liszt war der erste Superstar, der durch Europa tourte“, bemerkte Höhr und unterstrich die Begeisterung für den genialen Tonschöpfer mit der humorigen Anmerkung: „Ich bin stolz, dass Liszt mein Ururgroßklavierlehrer ist“.


Verführer und Tröster

Mit der Klaviertranskription von Franz Schuberts „Ständchen“ eröffnete Höhr den Musikabend. Liszt habe häufiger Schubertlieder bearbeitet, zum einen um diese bekannter zu machen und zum anderen, um sein eigenes Solorepertoire zu erweitern, erfuhren die Zuhörer.Gebannt lauschten die Besucher dann den „Funérailles“. 

Das siebte Stück aus „Harmonies poetiques et religieuses“ wird auch mit „Oktober 1849“ untertitelt und ist dem Gedenken an die Toten der Ungarischen Revolution gewidmet. Kraftvoll modellierte Höhr die düsteren Klangfarben. Geradezu greifbar nah rückten die gewaltigen Schlachtfelder und die überwältigende Trauer über die Gefallenen. Aus den „Consolations“ (Tröstungen) spielte Höhr hierauf drei Stücke. In diesen besinnlichen Werken offenbarte sich die sanfte Seite Liszts. Immer wieder erwies sich Höhr als herausragender Interpret der anspruchsvollen Musik. Tosenden Beifall bekam er nach der finalen Darbietung der „Ungarischen Rhapsodie Nr. 2“. Der Erlös des Benefizkonzerts wird für den Neubau an der Schule verwendet.